Clavisimbalum

8' FGA-a''

492 Hz

Gregor Bergmann 2015

 

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Live recording

Multipliciter/Letificat/Favore anonym, Codex Chantilly, um 1400

Veit-Jacob Walter, bitte hier klicken


Freye Fantasie

Wenn ein moderner Instrumentenbauer ein Clavisimbalum bauen will, steht er vor einem interessanten Problem. Es gibt kein originales Instrument, das als Vorbild dienen könnte. Es gibt jedoch ikonografische und schriftliche Quellen und natürlich kann die zeitgenössische Musik Hinweise zum Tastenumfang geben. Dennoch, viel ist es nicht. Wenn man bedenkt, wie sehr verschiedene Nachbauten desselben originalen Clavichordes oder Cembalos variieren, weiß man, dass es bestenfalls eine Annäherung sein kann.

Als Neulinge auf diesem Gebiet fanden wir Beistand in dem Clavicytherium des Royal College of Music Museum of Instruments, London (Ulm?, 1480?). Es gilt als das älteste erhaltene besaitete Tasteninstrument und ist, wie wir dachten, sicherlich auch ein guter Lehrer. Wenn man ein solches Projekt angeht, will man nicht die bekannteste Quelle zu diesem Thema übergehen, das berühmte Manuskript von Arnault von Zwolle, erhalten in der Bibliotèque Nationale, Paris (1440).

Statt zu versuchen ein frühes Clavisimbalum mit Hilfe ikonographischer und schriftlicher Quellen nachzubauen, hatten wir ein Instrument der Blütezeit vor Augen, auf der Grundlage des Clavicytheriums.

Der Mechanismus ist immer von Interesse in einem Clavisimbalum. Den Umstand schulden wir Arnaults vieldeutigen Skizzen in seinem Manuskript. In unserem Clavisimbalum entschlossen wir uns für den Mechanismus wie er im Clavicytherium erhalten ist, Springer mit Zünglein  und Kiel fest verbunden mit dem Tastenende. Über die Berippung des Resonanzbodens lässt Arnault keine Zweifel, die Zeichnung ist eindeutig. Doch auch hier folgten wir dem ungewöhnlichen Entwurf des Clavicytheriums. Der Resonanzboden erstreckt sich nicht über die gesamte Fläche des Instruments, das ganze erinnert mehr an eine Harfe. Diese akustische Figur versuchten wir mit einer Abbundrippe zu imitieren, wobei der Resonanzboden die gesamte Fläche bedeckt und somit einen größeren Hohlraum bildet, als das Clavicytherium hat.

Das Gehäuse ist aus Riegelahorn gemacht, der Stimmstock und die Springer aus Nussbaum, die Tasten aus Nuss mit Buchs und Mooreiche belegt.