Christian Gottlob Hubert

1789

8’8’ C-g’’’

gebunden, a' 415 Hz

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, MIR 1058

Gregor Bergmann 2012, 2013 & 2013

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Muß es bundfrei sein?

„Es muß bundfrey seyn; das heißt: jede Taste muß ihre eigenen Saiten (Chöre) haben, so dass z.B. nicht c und cis, oder cis und dx durch die nämlichen Saiten hervor gebracht werden. Ein Klavier, welches nicht bundfrey ist, kann man nie erträglich rein stimmen; von zwey auf Einem Chore Saiten zugleich angeschlagenen Tönen hört man nur den höhern Ton; gewisse Passagen können gar nicht, oder nur verstümmelt darauf heraus gebracht werden u. dgl. m.“ (Daniel Gottlob Türk „Clavierschule…“, 1789)

 

Christian Gottlob Hubert war bereits zu seiner Zeit ein bedeutender Instrumentenmacher. Besonders wertvoll ist die Tatsache, dass 18 seiner Instrumente erhalten sind und studiert werden können, manche sogar noch gespielt. Aus dem Vergleich der Instrumente können Trends über Konstruktionsdetails, Umfänge etc. abgeleitet werden. Ein Beispiel hierfür sind die erhaltenen gebundenen und bundfreien Clavichorde. Huberts erhaltenes Werk umspannt einen Zeitraum von 33 Jahren (1756-1789), erhalten haben sich aber nur drei bundfreie Clavichorde (1771, 1772, 1775). Außergewöhnlich ist, dass Hubert bis zum Ende seiner Karriere gebundene Clavichorde baute.

Als Türk oben zitierten Kommentar veröffentlichte, baute Hubert noch immer gebundene Clavichorde. Vielleicht befriedigte ihn das musikalische und technische Ergebnis mehr als bei den bundfreien, die in dieser Hinsicht durchaus Nachteile haben oder er war von konservativer Natur. Wie dem auch sei, es ist für Musikliebhaber in allen Epochen von großem Vorteil, dass die Stimmung (Temperatur) mit dem Instrument kommt und der Spieler mit relativ wenig Vorbildung und Zeitaufwand sein Instrument stimmen kann. Vielleicht war das für so manchen von Huberts Kunden nicht unwichtig.

 

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